JUGENDLICHE


Informationen für Jugendliche

13 01 2017

Für junge Menschen gibt es einen Lebensabschnitt, der mit außergewöhnlich großen Belastungen einhergeht, das ist die Lebensspanne etwa ab dem 10. Lebensjahr bis weit in die Mitte der 20er: Hier geschehen einschneidende Veränderungen wie Schulwechsel, Lehre, Studium, Arbeitsbeginn, Familiengründung.

Die Integration in die Gruppe der Gleichaltrigen ist wichtig, also der Wunsch, gemäß den Normen der Mehrheit zu sein. Hier findet ein stotternder junger Mensch auf der Suche nach seiner eigenen Identität oft zu einem starren, vom Stottern bestimmten Bild, das nicht dem Bild der "Normalität" entspricht.

Stotternde unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit allerdings nicht von flüssig sprechenden Menschen. Es gibt unter ihnen genauso viele intelligente und sympathische Menschen wie in der so genannten "normal sprechenden" Bevölkerung - oder eben das Gegenteil davon. Und mit den Witzfiguren oder neurotischen Charakteren, als die sie in Filmen nur allzu gern dargestellt werden, hatten Stotternde noch zu keiner Zeit etwas gemein.

Stottern zeigt sich fast ausschließlich im Gespräch mit anderen Menschen: es passiert zwischen zwei oder mehreren Personen. Hier kommen wir zu einem Aspekt des Stottern, den man weder sieht noch hört: die damit verbundenen Gefühle der Angst und der Scham. Sie haben ihre Ursachen in

  • dem Erleben eines Kontrollverlustes über die Sprechwerkzeuge,
  • den tatsächlichen negativen Reaktionen anderer und
  • den befürchteten negativen Reaktionen anderer.

Was Stottern nicht ist

Witze und Filme über "lächerliche Stotterer" tragen dazu bei, dass ein sehr negatives Bild über Stotternde geprägt wird. Aus diesem Grund leugnen viele Jugendliche ihr Stottern und versuchen es mit allen Möglichkeiten zu verbergen. Dadurch setzen sie sich aber noch stärker unter Druck.

Leider treten einige Vorurteile über das Stottern immer wieder auf.

  • Stottern ist keine "schlechte Angewohnheit", die man mit Ermahnungen oder gar Strafe ausmerzen könnte. Es ist nicht unmittelbar willentlich zu beeinflussen. Deshalb sind alle Tipps von der Art: "Atme tief durch!", "Gib Dir doch Mühe!", alle Drohungen oder Anweisungen, einen Satz zu wiederholen oder bestimmte Wörter zu üben, sinnlos.
  • Stottern ist kein Ausdruck einer gestörten Persönlichkeit.
  • Ein Stotternder ist nicht generell ängstlich oder gehemmt.
  • Stottern ist auch nicht ansteckend.
  • Stottern ist kein Zeichen von Dummheit.

Durch Stottern braucht sich niemand in seiner beruflichen und persönlichen Selbstverwirklichung behindern zu lassen. Viele berühmte Persönlichkeiten stottern oder haben gestottert: Marilyn Monroe, Winston Churchill, Bruce Willis, Isaac Newton, Charles Darwin ... "If You stutter You're In Good Company!" Stotternde sind in bester Gesellschaft!

Neue Erkenntnisse

Nach neuesten Untersuchungen ist im Gehirn eine Verschaltungsstelle, die für das Zusammenspiel von einzelnen Hirnregionen beim Sprechen verantwortlich ist, schwächer ausgebildet als bei flüssig sprechenden Menschen. Man kann allerdings sehr gut trainieren, diesen kleinen motorischen Nachteil durch die Aktivierung anderer Gehirnregionen auszugleichen - was in modernen ganzheitlichen Therapien bereits erfolgreich gemacht wird.

Buchempfehlungen

Jugendliche (Erstinformation, Erfahrungsberichte, Lesebücher)

Infoblätter und Infobroschüren für Jugendliche

S wie Stottern - Folder für Jugendliche (BVSS)

Broschüre "Stottern bei Jugendlichen und Erwachsenen" der dgs

Neu The Ti-Ger Analogy of Stuttering Empowerment

Links für junge Menschen

Jugend-Info der Deutschen Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe (BVSS)

SprachHeilWiki - Stottern bei Jugendlichen und Erwachsenen

Bessersprechen.de - Stottern bei Jugendlichen und Erwachsenen

Stottern und Schule - Info für Jugendliche der BVSS

Stottern und jetzt? - Jugend-Infoseite Stottern

Tipps für Freunde auf sprachheilpaedagogik.de

Infomaterial der ÖSIS