Von Kaffee bis Karaoke: Österreichisch-ungarische Begegnungen über Vereinsgrenzen hinweg

Vom 20. bis 22. März fand in Wien ein gemeinsames Vernetzungswochenende der ÖSIS Selbsthilfegruppe Wien und des ungarischen Selbsthilfevereins für Stotternde und Polternde BeszÉLJ! statt. Insgesamt trafen sich fast ein Dutzend Mitglieder aus beiden Vereinen zu einem Wochenende voller Austausch, Begegnung und gemeinsamer Aktivitäten. Einen Eindruck vom gemeinsamen Wochenende vermitteln zwei Berichte, jeweils aus österreichischer und ungarischer Perspektive.

Österreichisch-ungarisches Vernetzungswochenende in Wien

Unsere ungarischen Gäste reisten bereits am Freitagabend an, wo wir mit einem gemütlichen Willkommenstreffen in einem Lokal gestartet sind. Der Abend entwickelte sich schnell weiter und endete schließlich im Karaoke Lokal nebenan, wo zwar nicht immer jeder Ton getroffen wurde, die Stimmung dafür umso besser war.

Der Samstag begann entspannt mit einem Late Brunch am Karmelitermarkt. Danach teilte sich die Gruppe auf. Einige nahmen an einer Führung im Parlament teil, andere besuchten das Schmetterlinghaus. Danach wurde Wien in kleineren Gruppen erkundet.

Am Abend folgte das Highlight des Wochenendes, das erste Stamily Café in Österreich. Dabei handelt es sich um ein internationales Begegnungsformat von Stamily, ein offenes englischsprachiges Treffen für Menschen die stottern, das überall dort organisiert wird, wo Stamily Mitglieder sich auf der Welt treffen. Ziel ist es, einen offenen Raum für Austausch und neue Kontakte zwischen Betroffenen zu schaffen. Das Konzept ging voll auf. Es entstanden viele Gespräche, neue Verbindungen und eine durchgehend positive Atmosphäre bis zur Schließung des Lokals. Neben dem persönlichen Austausch kam auch die Zukunftsperspektive nicht zu kurz. Es wurden bereits erste Pläne für einen Gegenbesuch der ÖSIS in Budapest gesammelt. Besonders schön war, dass nicht nur österreichische und ungarische Teilnehmende zusammenfanden, sondern auch internationale Menschen sowie neue Personen ohne bisherigen Bezug zur Selbsthilfe. Viele der neu entstandenen Kontakte konnten sich bereits an diesem Wochenende festigen.

Der Sonntag bot noch Zeit für einige tiefere Gespräche, bevor sich die Wege wieder trennten.

Insgesamt war das Wochenende ein voller Erfolg und zeigt sehr klar, welches Potenzial in internationaler Vernetzung steckt. Ein großes Dankeschön geht an das Organisationsteam der ÖSIS Wien (Stefi, Martin und Katarina), an den ungarischen Verein, vor allem Gergő und Bercel, sowie an Stamily für das großartige Konzept des Stamily Cafés.

Treffen der österreichischen und ungarischen Stottervereine in Wien

Wir haben uns sehr gefreut, dass unser intern scherzhaft als „Monarchie-Format“ bezeichneter österreichisch-ungarischer Austausch nach längerer Vorbereitung in Wien stattfinden konnte.

Für die ungarische Gruppe war es eine große Hilfe, dass für alle Teilnehmenden private Unterkünfte organisiert werden konnten. Die Anreise zwischen Wien und Budapest verlief unkompliziert. Ein Teil der Gruppe reiste mit dem Zug, andere nutzten den Flixbus. Zu den Programmhöhepunkten zählten die gemeinsame Besichtigung des österreichischen Parlaments sowie für einige der Besuch im Burggarten und im Schmetterlinghaus. Natürlich durften auch gemeinsame Abendessen und Karaoke-Abende nicht fehlen. Beim parallel organisierten Stamily Café konnten wir sogar internationale Gäste begrüßen, unter anderem mit spanischem Bezug.

In unseren Gesprächen wurden mehrere spannende Erkenntnisse deutlich. Zum einen, dass Österreich und Ungarn viel mehr verbindet als trennt. Zum anderen, dass sich unsere Organisationen gewissermaßen an unterschiedlichen Punkten einer Entwicklungsskala befinden. Die ÖSIS ist eine der ältesten Stotterorganisationen in Mittel- und Osteuropa, während BeszÉLJ! eine der jüngsten ist und zudem die erste ihrer Art in Ungarn. Daraus ergeben sich unterschiedliche Herausforderungen. In Österreich geht es eher um Erneuerung und das Gewinnen neuer Mitglieder, in Ungarn hingegen um den Aufbau einer Organisation von Grund auf. Außerdem hat sich erneut gezeigt, wie vielfältig Stottern erlebt wird. Jede Person geht ihren eigenen Weg, sei es über Akzeptanz, über Sprechtechniken oder über eine Kombination aus beidem.

Eines ist jedoch sicher. Stottern ist eine sehr besondere Erfahrung und führt dazu, dass sich betroffene Menschen auf einer tiefen Ebene begegnen und gut verstehen. Wir als ungarische Gruppe freuen uns schon darauf, die österreichische Einladung in Zukunft in Budapest oder vielleicht sogar am Balaton erwidern zu dürfen.