Als ich Anfang 2025 zum ersten Mal von den Stamily Erasmus+ Youth Exchanges erfahren habe, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich schon ein Jahr später die erste österreichische Gruppe begleiten würde.
Stamily Erasmus+ Youth Exchange



Der Stamily Erasmus+ Youth Exchange ist ein von Erasmus+ gefördertes Austauschprogramm für junge Stotternde zwischen 18 und 30 Jahren. Eine Woche voller Workshops, Aktivitäten und interkultureller Begegnungen bietet Teilnehmenden einen sicheren Rahmen zum Austausch, Lernen und Stärken des Selbstvertrauens. Im Mittelpunkt stehen Austausch und gegenseitiges Verständnis, ohne Sprachtherapie. Das Programm wird von Betroffenen selbst organisiert und schafft so ein besonders authentisches, unterstützendes Umfeld.
Seit 2026 sind wir als österreichische Gruppe beim Stamily Erasmus+ Youth Exchange für junge Stotternde dabei und suchen für das kommende Jahr genau dich! Mit dabei sind andere stotternde junge Erwachsene aus insgesamt fünf bis sieben Ländern. Keine Sprachtherapie, nur echte Begegnungen, Workshops und gute Vibes. Erasmus+ trägt einen erheblichen Teil deiner Teilnahmekosten.
Nachdem ich 2025 selbst als Teilnehmer dabei gewesen war, wurde es zu einem meiner wichtigsten Ziele als ÖSIS-Vorstandsmitglied, auch Österreich mit einer eigenen Gruppe zum Youth Exchange zu bringen. Ich fand es frustrierend, dass Österreich, mitten im Herzen der EU, bisher noch nicht Teil dieser weltweit einzigartigen Möglichkeit war. Der Youth Exchange hatte einen großen Einfluss auf mich und viele der Teilnehmer:innen, die ich dort kennengelernt habe. Ich wollte nicht, dass Menschen aus Österreich weiterhin darauf verzichten müssen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass es 2026 einen neuen Youth Exchange geben würde. Meine diplomatischen Bemühungen hatten sich ausgezahlt: Österreich würde diesmal auch mit dabei sein!
Irgendeine Art von Führungsrolle zu übernehmen, war etwas, das ich als Stotternder immer möglichst vermieden habe. Es fühlte sich viel einfacher an, ein unsichtbares Rädchen im Getriebe zu sein, weit weg von all der Aufmerksamkeit, die mit so einer Funktion kommen kann. Aber Menschen aus Österreich zum Youth Exchange zu bringen, war mir zu wichtig, um meine Abneigung gegen solche Rollen in den Weg kommen zu lassen. Wie bei so vielen Herausforderungen im Leben bin ich im Nachhinein sehr froh, dass ich es gemacht habe.
In den vielen Monaten davor haben die anderen Gruppenleiter, die Organisator:innen und ich unglaublich viel Zeit und Energie in die Planung und Vorbereitung gesteckt. Für die meisten von uns war es das erste Mal, dass wir auf der organisatorischen Seite des Projekts mitgewirkt haben. Wir mussten alle erst in unsere Rollen hineinwachsen. Rückblickend kann ich aber sagen, dass wir trotz einiger Herausforderungen zwischendurch einen großartigen Job gemacht haben. Vielleicht war nicht alles perfekt, aber wir haben unser Bestes gegeben, um so nah wie möglich dranzukommen!

Menschen dazu zu bringen, sich für dieses Abenteuer anzumelden, war nicht ganz einfach. Für eine ganze Woche in die Niederlande zu reisen und dort mit rund 40 stotternden Menschen aus ganz Europa zu verbringen, kann schon ziemlich einschüchternd klingen. Dazu kommt, dass man kaum jemanden kennt und die ganze Zeit Englisch spricht. Für viele Stotternde ist es daher nicht unbedingt leicht, sich auf so etwas einzulassen.
Ich bin sehr froh, dass die diesjährigen ÖSIS-Teilnehmer:innen diesen Sprung gewagt haben und mich zu diesem großartigen und manchmal auch etwas verrückten Abenteuer begleitet haben. Eine Nacht in Nürnberg verbringen zu müssen, weil unser Night Jet liegen geblieben ist, gehörte definitiv zu den verrückteren Teilen der Reise. Als wir es schließlich am Zielort geschafft hatten, war es das aber alles wert. Es war eine großartige Woche in der saftig grünen niederländischen Landschaft, die sich fast ein bisschen wie aus einem Märchen angefühlt hat. Die Woche war voll mit Spaß, gemeinsamen Erlebnissen und den unterschiedlichsten Aktivitäten. Dazu gehörten Länderabende, Achtsamkeit, kreative Workshops, Wandern, Sightseeing und Karaoke bis spät in die Nacht.
Viele dieser Aktivitäten wurden erst durch die Freiwilligen in unserer Gruppe und durch Teilnehmer:innen möglich, die selbst Workshops übernommen oder dabei geholfen haben. Ich bin wirklich dankbar und stolz auf alle, die sich eingebracht haben. Ihr seid großartig!
Neben all den Aktivitäten und dem Spaß war aber vor allem eines wichtig: Die magische Youth Exchange Formel hat wieder funktioniert. Menschen aus den verschiedenen Ländergruppen haben sich sehr gut untereinander gemischt und schnell Verbindungen aufgebaut. Sie konnten viel vom Alltagsstress und vom Druck rund ums Sprechen hinter sich lassen. So konnten sie sich wirklich entspannen und sich frei fühlen, offen zu stottern. Teilnehmer:innen konnten außerdem Ängste vor Auslandsreisen oder davor, Englisch zu sprechen, überwinden und sind mit mehr Selbstvertrauen in beidem nach Hause gefahren.
Für alle, die bisher noch nicht den Mut gefunden haben, mitzumachen, lasse ich am liebsten einige der diesjährigen Teilnehmer:innen selbst von ihren Erfahrungen erzählen. Vielleicht bekommt ihr dadurch ja Lust, uns 2027 auf diesem Abenteuer zu begleiten.
Es wird bestimmt wieder richtig gut, und ich freue mich jetzt schon darauf, euch dort zu sehen!
Foto im Beitrag: Emilien D.

